Wer schon einmal versucht hat, den Zustand von ein paar hundert Streuobstbäumen über mehrere Jahre systematisch zu dokumentieren, kennt das Problem: Papierlisten, Einzeltabellen, Fotos in verschiedenen Ordnern – und irgendwann weiß niemand mehr genau, welcher Baum wann zuletzt geschnitten wurde oder wie sich sein Zustand entwickelt hat. Genau dieses Problem stand am Anfang des Projekts SOKIS, das ich für den Landschaftspflegeverband Kreis Offenbach e. V. entwickelt habe.

Warum Streuobstwiesen so schwer zu erfassen sind

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Ihr ökologischer Wert hängt aber von vielen kleinteiligen Merkmalen ab: Baumzustand, Nutzung, Bodenverhältnisse, Strukturreichtum, Schutzstatus – und einer Pflegehistorie, die sich über Jahre erstreckt. Genau diese Vielschichtigkeit macht die Erfassung aufwendig, wenn sie nicht durchdacht digital abgebildet wird.

Der Ansatz: ein durchgängiges System statt Insellösungen

Statt einzelner Tabellen für Flächen, Bäume, Fotos und Pflegemaßnahmen haben wir ein zusammenhängendes Datenmodell entwickelt, das zwei Ebenen eng miteinander verknüpft: die Fläche als Ganzes und jeden einzelnen Baum darauf. Für Flächen werden Nutzung, Mahd- und Beweidungsdetails, Bodenverhältnisse und Zusatzstrukturen wie Nisthilfen oder Totholz erfasst. Für jeden Baum Art, Sorte, Alter, Pflegeaufwand und Auffälligkeiten wie Baumhöhlen oder Mistelbefall.

Damit die Erfassungsmasken dabei nicht unübersichtlich werden, blenden sie Felder automatisch nur dann ein, wenn sie inhaltlich relevant sind. Im Hintergrund stehen weit über hundert mögliche Merkmale zur Verfügung – im Formular sieht die kartierende Person aber immer nur das, was gerade gebraucht wird.

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Dieselbe Logik am Schreibtisch und im Gelände: Felder blenden sich automatisch ein, sobald sie inhaltlich relevant werden.

Amtliche Daten automatisch im Formular

Ein zentraler Baustein war die Anbindung an amtliche Geodaten: Schutzgebietskulissen wie Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete, FFH- und Vogelschutzgebiete, gesetzlich geschützte Biotope sowie die Daten des Hessischen Landesweiten Biotopkatasters werden per räumlicher Verschneidung automatisch der jeweiligen Fläche zugeordnet. Wer im Gelände kartiert, muss diese Informationen nicht mehr manuell nachschlagen – sie erscheinen direkt im Formular und später im Ausdruck.

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Schutzgebietskulissen und Biotopkataster-Einträge werden per räumlicher Verschneidung automatisch zugeordnet – in QGIS wie in QField.

Jeder Baum einzeln – inklusive mehrerer Sorten pro Baum

Neben der Fläche ist jeder Baum ein eigenes Objekt mit eigener Geschichte: Obstart, Sorte, Alter, Stammumfang, Pflegezustand und Auffälligkeiten wie Baumhöhlen oder Mistelbefall. Aus diesen Einzelaufnahmen entsteht die Baumliste im Steckbrief – und die Grundlage für jede spätere Pflegeplanung.

Eine Besonderheit alter Streuobstbestände: Auf einem Baum können mehrere Sorten veredelt sein. In SOKIS lassen sich deshalb pro Baum beliebig viele Sorten hinterlegen – direkt im Gelände, ohne Umweg über eine zweite Tabelle oder eine Notiz im Bemerkungsfeld.

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Mehrere veredelte Sorten auf einem Baum – direkt im Gelände erfasst.

Pflege ist eine Daueraufgabe – die Software muss das mitdenken

Der vielleicht wichtigste konzeptionelle Punkt: Streuobstwiesenpflege endet nie an einem bestimmten Tag. Deshalb bildet SOKIS nicht nur eine Momentaufnahme ab, sondern die Entwicklung über die Zeit. Wiederkehrende Zustandsberichte zu Flächen und Bäumen, ein Pflegemaßnahmen-Modul für Schnitt, Nachpflanzung, Mahd oder Zaunkontrolle – all das mit Zeitraum, Zuständigkeit und Status. Über die Jahre entsteht so eine durchgängige Historie, ohne dass jemand Papierlisten wälzen muss.

Der Steckbrief: von Rohdaten zum fertigen Bericht

Am Ende steht ein Klick: SOKIS erzeugt für eine oder alle erfassten Flächen automatisch einen vollständigen, professionell gestalteten PDF-Steckbrief – mit Übersichts- und Detailkarte, Fotos, allen Kerndaten, Schutzkategorien, der aktuellen Pflegemaßnahmenliste und einer vollständigen Baumliste. Die Seitenzahl passt sich automatisch der jeweiligen Fläche an, inklusive fortlaufender Nummerierung – ganz ohne manuelle Nacharbeit am Layout.

Jedes Protokoll trägt zudem einen QR-Code und einen Link, die direkt zum Standort der Fläche in Google Maps führen. Wer den Ausdruck in der Hand hält – Eigentümerin, Pächter oder Pflegetrupp – findet die Fläche ohne Koordinatensuche auf Anhieb.

PDF-Steckbrief einer Streuobstfläche aus SOKIS mit Kopfdaten, Fotos, Übersichtskarte und Detailkarte

Eine Steckbrief-Seite aus SOKIS – Karten, Kerndaten, Schutzkategorien, Pflegemaßnahmen und Baumliste in einem Layout. (Personenbezogene Angaben für die Veröffentlichung unkenntlich gemacht.)

Beispiel gefällig? Der Steckbrief unten zeigt eine reale SOKIS-Fläche mit allen Bausteinen im Zusammenspiel.

SOKIS_Beispiel_Steckbrief.pdf Beispiel-PDF-Steckbrief einer Streuobstfläche aus SOKIS
Beispiel-PDF herunterladen

Bewusst ohne Speziallösung

SOKIS basiert konsequent auf QGIS, GeoPackage und der QGIS-Ausdruckssprache. Keine proprietäre Datenbank, keine Cloud-Abhängigkeit, keine wiederkehrenden Lizenzkosten. Die Datenhaltung bleibt vollständig beim Auftraggeber, die Kartierung funktioniert auch offline im Gelände. Das ist kein Zufall, sondern bewusste Entscheidung: Landschaftspflegeverbände und Kommunen sollen langfristig unabhängig bleiben – von einzelnen Anbietern ebenso wie von Lizenzmodellen.

Ein Modell für mehr als eine Organisation

Auch wenn SOKIS für den Landschaftspflegeverband Kreis Offenbach e. V. entstanden ist, ist die zugrunde liegende Struktur bewusst übertragbar gehalten. Andere Landschaftspflegeverbände, Kommunen, Naturschutzverbände und Streuobstinitiativen mit ähnlichem Bedarf – systematische Erfassung, langfristiges Monitoring, belastbare Berichte für Eigentümer, Pächter und Fördermittelgeber – können auf demselben Grundgerüst aufsetzen.

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