Am 1. März 2026 hat Esri ArcMap nach mehr als zwei Jahrzehnten offiziell eingestellt (Esri Blog: „Farewell to ArcMap"). Für viele Kommunen, Behörden und Planungsbüros, deren GIS-Arbeit über Jahre auf ArcMap aufgebaut wurde, wirft das eine ganz praktische Frage auf: Was passiert jetzt mit unseren Karten, Projekten und Daten? Die gute Nachricht vorweg: Ihre Geodaten gehen nicht verloren, der Wechsel ist machbar, und es gibt einen klar geebneten Weg in eine moderne, kostenfreie Alternative. Dieser Beitrag zeigt nüchtern, was Sie wissen müssen – und wie der Übergang gelingt.

Was jetzt passiert

Mit dem Ende von ArcMap stellt Esri den Support und alle Sicherheitsupdates für das Programm ein. Wer eine vorhandene Dauerlizenz besitzt, kann ArcMap technisch weiterhin starten – die Software hört nicht von selbst auf zu funktionieren. Doch ohne Updates und ohne offiziellen Support ist das auf Dauer keine tragfähige Grundlage für die professionelle GIS-Arbeit in einer Verwaltung oder einem Büro.

Das bedeutet konkret: Neue Betriebssysteme oder Sicherheitsanforderungen werden nicht mehr berücksichtigt, Fehler werden nicht mehr behoben, und gegebenenfalls eingesetzte Erweiterungen werden mit der Zeit ausfallen. Wer langfristig planen möchte, sollte den Umstieg jetzt strukturiert angehen – ohne Hektik, aber mit einem klaren Fahrplan.

Die gute Nachricht: Ihre Daten bleiben erhalten

Geodaten und ihre Formate sind glücklicherweise sehr langlebig. Praktisch alle gängigen Formate, die in ArcMap genutzt wurden, lassen sich ohne Konvertierung direkt in QGIS öffnen:

Ein Tipp aus der Praxis: Nutzen Sie den Wechsel als Gelegenheit, Ihre Daten ins GeoPackage-Format zu überführen. Ein GeoPackage (Endung .gpkg) ist eine moderne, offene Container-Datei, die mehrere Vektor- und Rasterlayer in einer einzigen Datei bündelt – wesentlich aufgeräumter als Dutzende Shapefile-Begleitdateien. QGIS macht den Export mit wenigen Klicks. Wer aufräumen will, hat hier eine elegante Gelegenheit.

Ihre Datenbestände sind sicher. Was Sie in ArcMap erfasst haben, lesen Sie morgen in QGIS – ohne Konvertierung, ohne Datenverlust.

Was ist mit den MXD-Projektdateien?

Ehrlich gesagt: MXD-Dateien – das proprietäre Projektformat von ArcMap, in dem Karten, Layeranordnungen und Symbologie gespeichert sind – lassen sich nicht direkt in QGIS öffnen. Das ist der heikelste Punkt jeder Migration. Aber: Es gibt zwei sehr brauchbare Werkzeuge, die genau diese Lücke schließen:

Für überschaubare Projektbestände kann sich auch der manuelle Neuaufbau lohnen. Klingt erstmal mühsam, ist aber oft schneller als gedacht – und führt fast immer zu aufgeräumteren Projekten als die alten. Wer fünf wichtige Standard-Karten in QGIS sauber neu aufbaut, hat damit oft eine bessere Basis als nach einer automatischen Konvertierung von fünfzig MXDs.

Und die Stile – muss alles neu gemacht werden?

Hier eine realistische Einschätzung: Einfache Stile – einheitliche Farben, klare Linienstärken, Standard-Symbole – lassen sich mit den genannten Werkzeugen meist sauber übertragen. Komplexere Symbologie hingegen, etwa aufwändige mehrlagige Punktsymbole, regelbasierte Darstellungen oder spezielle Schriftannotationen, bedeutet in der Regel manuelle Nacharbeit in QGIS.

Das ist weniger dramatisch, als es klingt. Im Alltag von Kommunen sind die wirklich genutzten Karten oft eine überschaubare Zahl: das Liegenschaftskataster, der Bebauungsplan, die Baumstandorte, das Wegenetz, vielleicht die Spielplatzkarte. Für genau diese „Brot-und-Butter"-Produkte einmal saubere QGIS-Stile aufzubauen, ist ein einmaliger Aufwand mit langer Halbwertszeit.

Ich empfehle, den Wechsel ausdrücklich als Bereinigungschance zu sehen. Über Jahre gewachsene ArcMap-Projekte enthalten oft Altlasten, doppelte Layer, ungenutzte Beschriftungen oder veraltete Verweise. Beim Neuaufbau in QGIS lässt sich das alles auf einen Schlag mit ausmisten.

Einarbeitung in QGIS – wie steil ist die Kurve?

QGIS funktioniert anders als ArcMap, aber nicht grundlegend fremder. Die wichtigsten Konzepte – Layer, Symbologie, Attributtabellen, Drucklayouts, Analysewerkzeuge – existieren in beiden Programmen, nur an unterschiedlichen Stellen und mit anderer Bezeichnung. Wer ArcMap routiniert bedient hat, findet sich nach ein paar Tagen produktiver Nutzung schon ganz ordentlich zurecht.

Was am meisten hilft, ist eine kurze Schulung an den eigenen Daten. Generische Einsteigerkurse mit Beispiel-Datensätzen vermitteln zwar das Werkzeug, aber nicht die konkreten Arbeitsabläufe Ihrer Kommune. Ein halber bis ganzer Tag, in dem die typischen Aufgaben Ihres Hauses einmal gemeinsam in QGIS umgesetzt werden, bringt mehr als zwei Tage Theorie.

Ergänzend gibt es eine sehr aktive deutschsprachige QGIS-Community, ausführliche Dokumentation und unzählige Tutorials. Die meisten Fragen, die in der Anfangszeit auftauchen, sind schon gestellt – und beantwortet.

Fazit

Der Umstieg von ArcMap auf QGIS ist planbar, nicht beunruhigend. Ihre Daten sind sicher und lassen sich direkt weiterverwenden. Für die Projektdateien gibt es bewährte Konvertierungswerkzeuge oder den Weg über einen sauberen Neuaufbau. Die Symbologie braucht teilweise Nacharbeit, ist aber gleichzeitig die Gelegenheit, alte Projekte zu entrümpeln. Und QGIS selbst ist eine ausgereifte, kostenfreie und leistungsfähige Software, die in vielen Kommunen längst zum Standard geworden ist. Es muss nicht alles auf einmal passieren – ein strukturierter Übergang über mehrere Monate ist völlig realistisch.

Unsicher, wo Sie beim Umstieg anfangen sollen?

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MB
Über den Autor
Martin Bley
Diplomgeograph · QGIS- und QField-Beratung für Kommunen und Naturschutzverbände
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Quellen & weiterführende Links

  1. Esri Blog: Farewell to ArcMap – offizieller Abschiedsbeitrag
  2. Esri Support: ArcMap Deprecation Notice – formale Ankündigung
  3. North Road: SLYR Plugin – MXD-Konvertierung mit Symbologie
  4. WhereGroup: MapQonverter – Open-Source-Alternative